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Verdauung

Zum Anfang fange ich auch „vorne“ an: vor rund  15 000 Jahren haben wir begonnen den Hund zu unserem Kameraden zu formen, ihn zu domestizieren. Bekanntlich stammt der Hund vom Wolf ab, wenn auch äußere Gestalt und Erscheinungsbild sich stark verändert haben, so ist doch insbesondere der Verdauungstrakt fast unverändert geblieben.

Der Hund gehört zu den Karnivoren, zu den Fleischfressern.

Die Bezeichnung ist jedoch irreführend, da man besser vom Beutefresser spricht.

Der Wolf frisst und fraß nicht nur das Muskelfleisch, sondern auch Knochen, Haare, Darm und Darminhalt. So wird er außer dem aus dem Muskelfleisch stammenden Eiweiß und Fett zusätzlich mit Kalzium aus dem Skelett,
Natrium aus dem Blut, fettlöslichen Vitaminen und Spurenelementen aus den inneren Organen (v.v. aus Leber und Nieren), essenziellen* Fettsäuren aus dem Körperfett und unverdaulichen Bestandteilen wie Fasern aus pflanzlichem Material aus dem Darminhalt, die für die Funktion des Verdauungskanals unentbehrlich sind, versorgt.
(*Essentiell bedeutet, dass diese Stoffe für die Aufrechterhaltung des Stoffwechsels unentbehrlich sind, selbst vom Organismus aber nicht hergestellt werden können.)

Das Beutetier bietet somit sämtliche lebensnotwendigen Nährstoffe. Aber außer Beutetiere frisst der Wolf je nach Jahreszeit und örtlichen Gegebenheiten auch Würmer, Insekten, Fische, Obst, Kräuter, Beeren, Wurzeln und Kot von Pflanzenfressern.
Da in unserer zivilisierten Welt das Verfüttern von gejagten Beutetieren nicht möglich ist, ist unsere Fürsorge für unsere Hunde gefragt. Wir müssen uns mit den Bedürfnissen des Hundes auseinandersetzen und so gut wie möglich“ das Beutetier zusammensetzen“.

Der Hund nimmt die Nahrung mit den Zähnen auf, er hat insgesamt 42 Zähne (28 Milchzähne). Insbesondere die Eckzähne       ( Canini ) und Reißzähne (das sind im Ober – und Unterkiefer jeweils die größten und breitesten Backenzähne) sind für das Ergreifen von Beutetieren und Abscheren von Nahrungsbestandteilen bestens geeignet.

Die Zunge ist sehr beweglich, kann weit aus der Maulhöhle heraushängen, etwa beim Hecheln und kann seitlich zur Flüssigkeitsaufnahme aufgewölbt werden. An ihrer Oberfläche hat der Hund Geschmacksknospen.

Durch vier verschiedene, paarige Speicheldrüsen wird die Nahrung  „schlüpfrig“ für das Abschlucken gemacht. Hundespeichel enthält allerdings keine Verdauungsenzyme wie etwa der Speichel des Menschen. Die Speichelsekretion wird durch Reflexe ausgelöst wie z. B. durch das Riechen und Sehen der Nahrung bei der Zubereitung oder auch nur durch gewohnte Geräusche der Fütterungsvorbereitung.
Wer von Ihnen hat das nicht schon einmal beobachtet?
Die Gesamtspeichelmenge beträgt ca. 20 – 40 ml pro Kg Körpermasse pro Tag.

Nun gelangt das Futter via Speiseröhre –ein stark dehnungsfähiger mit Schleimdrüsen ausgestatteter Schlauch – in den Magen.
Die Größe des Hundemagens variiert mit seinem Füllungszustand, im leeren Zustand liegt er innerhalb des Brustkorbs, nach Fütterung kann er bis hinter die 13. Rippe reichen und dann dort auch ertastet werden.  Er ist mit Schleimhaut ausgekleidet, die sowohl Schleim  als auch den eigentlichen Magensaft mit Salzsäure und Verdauungsenzymen produziert.
Dieser Magensaft durchdringt den Futterbrei, je nach Art und Konsistenz der Nahrung dauert dieser Vorgang unterschiedlich lang. Breiartige Futtermassen werden langsamer durchtränkt als Futtermittel, die in Einzelstücken, wie z.B. Fleischstückchen, vorliegen.  Bindegewebsfasern werden bereits so stark aufgelöst, dass die darunterliegenden Muskelfasern von den Verdauungsenzymen schon erreicht werden können. Durch den niedrigen pH- Wert besitzt der Magensaft gärungs-und fäulnishemmende Eigenschaften. Er wirkt gegen Bakterien, die in einem  pH- Bereich von 6-8  wachsen, nicht jedoch gegen die säureliebenden wichtigen Milchsäurebakterien. Die Menge des gebildeten Magensaftes ist abhängig von Menge und Art des Futters. Fleisch, Fleischbrühe, Säuren und auch Wasser wirken stimulierend, während Zucker, Brot und Kartoffeln eher hemmend wirken.

Starke körperliche Anstrengungen, Stress oder auch die Läufigkeit können die Magensaftsekretion einschränken und können auch zur Magendrehung führen!

Der Magen des Hundes dient nicht allein der Verdauung des Futters, sondern reguliert auch den regelmäßigen Übergang der Nahrung in den Dünndarm. Ebenso ist er auch ein Speicherorgan für die Nahrung. Die ursprünglichen Nahrungsbedingungen der Karnivoren ( Fleischfresser) bedeuten ja unregelmäßige Nahrungsaufnahme mit langen Intervallen zwischen den Mahlzeiten.

Der Mageninhalt, also die vom Magensaft angedaute Futtermasse, wird abhängig vom Füllungsgrad und Grad der Zerkleinerung und Verflüssigung schubweise in den Dünndarm entleert.
Der Dünndarm besteht aus Zwölffinger-, Leer-, und Hüftdarm. Die Größenvariationen von Verdauungstrakt und Leber bezogen auf die Größe des Hundes ist erstaunlich: Bei Zwergrassen (≈ 5 kg Körpergewicht) macht der Verdauungskanal 6,7% , bei  Riesenrassen  (≈ 60 kg KGW) nur noch 2,8% des Körpergewichtes aus.
Während der Dünndarmpassage werden die Nahrungsstoffe in lösliche Teilstücke zerlegt und von der Darmwand anschließend aufgenommen.
Die Zerlegung der einzelnen Nährstoffgruppen ( Eiweiß / Fett / Kohlenhydrate ) erfordert unterschiedliche chemische Prozesse.
Die Verdauung der Eiweiße ( Proteine ) beginnt ja schon im Magen durch das im Magensaft enthaltene Pepsin. Dadurch werden Eiweiße in Teilstücke gespalten. Diese Teilstücke werden nun im Dünndarm durch Enzyme der Bauchspeicheldrüse ( Trypsin, Chymotrypsin ) weiter zerlegt bis zu den kleinsten Einheiten der Eiweiße, den Aminosäuren. Diese werden schließlich von der Dünndarmwand aufgenommen.
Die Fettverdauung beginnt ebenfalls schon im Magen, aber auch hier passiert das Meiste im oberen Dünndarmbereich. Fette werden durch Gallensäuren emulgiert und durch das Enzym Lipase aus der Bauchspeicheldrüse und dem Darmsaft stammend in einzelne Bauteile aufgespalten. Die Spaltprodukte der Fette bilden mit den Gallensäuren wasserlösliche Aggregate und können so die Darmwand passieren.
Die Kohlenhydratverdauung beginnt beim Hund erst im Dünndarm. Hier wirkt das aus der Bauchspeicheldrüse stammende Enzym α-Amylase und zerlegt die Stärke in verschieden große Spaltprodukte. Getreidestärke mit einer kleinen Körnung (z. B. Hafer, Reis ) kann α-Amylase gut, größere Stärkegranula wie in den meisten Knollen ( Kartoffeln, Maniok) vorkommend, weniger gut angreifen und müssen von daher durch Verarbeitung z.B. durch Wärme oder mechanische Zerkleinerung verändert werden um von der Amylase verarbeitet werden zu können.
Die von der Nahrung aufgenommenen Zucker ( Saccharose und Laktose ) werden durch membranständige Enzyme zerlegt. Beim Welpen ist die Laktaseaktivität für die Zerlegung der in der Muttermilch enthaltenen Laktose sehr viel höher als beim erwachsenen Hund, dieser kann aber auch bis zu 20 ml Kuhmilch pro kg / KM / Tag ohne Schwierigkeit verdauen.
Für den Abbau von Zellulose verfügt der Hund über keine eigenen Enzyme, diese wird durch die Darmflora zerlegt.
Die mit dem Futter aufgenommenen Mineralien müssen vor der Absorption zunächst durch Magensalzsäure oder durch Säuren bakterieller Herkunft aus ihren Bindungen gelöst werden. Kalzium, Magnesium, Phosphor und Natrium werden beim Hund im Dünn- und Dickdarmbreich aufgenommen.
Der Dickdarm besteht aus Blind-( Zäkum ), Grimm- ( Kolon ) und Mastdarm ( Rektum ). In der Dickdarmwand finden sich lumenwärts zahlreiche schleimproduzierende Becherzellen, die die Oberfläche mit einer schützenden Schleimschicht überziehen. Darunter liegt eine Muskelschicht, die die Eigenbewegung der Darms ( Peristaltik ) bewirkt.
Im Dickdarm hängt die Verweildauer des Darminhaltes insbesondere von der Menge an unverdaulichen Komponenten in der Nahrung ab. Durch Ballaststoffe wird die Passage beschleunigt. Für eine optimale Bewegung des Darmes sind geringe Mengen an schwerverdaulichen Komponenten ( pflanzliche Fasern, Keratin, Ascheanteil ) im Futter notwendig. Der Wildkanide nimmt solche Stoffe mit den Beutetieren auf ( Keratin aus Horn und Haaren, pflanzliche Fasen aus dem Darminhalt, Asche aus dem Skelett ).
Das Futter sollte von daher aus diätischen Gründen 1-2 % Rohfaser enthalten. Wie sich der Rohfasergehalt auf die Dauer der Darmpassage auswirkt, zeigt folgendes Beispiel: Bei einem geringen Rohfasergehalt im Futter von 0,7 g bezogen auf 100 g Futtertrockensubstanz, dauert die Futterpassage 12-69 Stunden, bei einem hohen Rohfaseranteil ( 8 g auf 100 gr TS ) nur zwischen 12 und 38 Stunden.
Im Dickdarm werden normalerweise nur noch geringe Anteile des Futterbreis verdaut durch mirkobiell gebildete Enzyme. Über seine Schleimhaut werden nur noch geringe Mengen  Aminosäuren, Wasser und Mineralien ( Natrium, Chlorid und Kalzium ) aufgenommen. Die mit dem Futter aufgenommenen Mineralien müssen vor der Absorption zunächst durch Magensalzsäure oder durch Säuren bakterieller Herkunft aus ihren Bindungen gelöst werden.
Nun kommen wir zum Endprodukt: Der Kot enthält neben dem unverdauten Material, Bakterien und Sekrete aus Verdauungsdrüsen, Epithelzellen und Haare. Die Ausscheidung der unverdaulichen Bestandteile wird beeinflusst durch Futterart , Verdaulichkeit und Häufigkeit der Fütterung.
Die mittlere Passagedauer beträgt 24-36 Stunden: 2-3 Stunden im Magen, 1-2 Stunden im Dünn- und 18-24 Stunden im Dickdarm.
Bei Verfütterung von hochverdaulichem Rationen z.B. beim Barfen setzen Hunde selterner Kot ab.
Der Kot sollte gut geformt, „kickbar“, sein. Der normale Wassergehalt liegt zwischen 75-55 %. Die Kotmenge ist ebenfalls abhängig von der Verdaulichkeit des Futters und das wird Ihnen sicherlich schon aufgefallen sein, beim Barfen erstaunlich gering. Die Farbe sollte bei einer ausgewogenen Futterration, also Futter mit tierischem und pflanzlichem Eiweiß, Stärke und Fett, dunkelbraun sein. Milch und Knochen können zu einer gelblichen, Verfütterung von Möhren zu einer Rotfärbung des Kotes führen. Der Geruch ist abhängig von Futterart, Passagezeit und Wassergehalt.
Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Mineralstoffe und Vitamine.
Hier sollen zunächst die Kohlenhydrate näher erläutert werden:

Unter dem Begriff Kohlenhydrate werden Verbindungen aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff zusammengefasst. Sie stammen vorwiegend aus dem Pflanzenbereich mit Ausnahme des Blutzuckers, der Glucose aus der Leber und aus dem Muskel und des Milchzuckers. Pflanzen bestehen aus unterschiedlichen Kohlehydraten, z.B. Saccharose in Rüben, aber auch unverdauliche Fasern der Baumrinde gehören hier zu. Grundsätzlich könnten Hunde und Katzen ohne Kohlenhydrate in der Nahrung auskommen, da sie selbst aus Aminosäuren ( Wir erinnern uns: das sind Spaltprodukte der Proteine, also der Eiweiße ) Glukose herstellen können.
Trotzdem wird ihre Organfunktion durch die Zufuhr von Kohlehydraten erheblich verbessert. So spielen Fasern bei den Verdauungsvorgängen wie Transitgeschwindigkeit und Stabilisierung der physiologischen Bakterienflora eine wichtige Rolle. Zu den Kohlehydraten zählen Stärke, verschiedene Zucker und Nahrungsfasern.
Stärke besteht aus vielen Glucosemolekülen, die durch einfache chemische Verbindungen miteinander verbunden sind. Stärke ist in Getreidekörnern, Reis, Mais und Kartoffeln enthalten. Zu viel oder ungenügend gegarte Stärke bindet im Dickdarm Wasser und führt zu säuerlichem Durchfall!
Zu den Zuckern zählen Fruktose, Glucose und Galaktose. Zucker haben keinerlei Bedeutung bei der Gesundheitserhaltung oder Genesung, eher das Gegenteil ist der Fall: Zu viel Zucker führt zur Fettleibigkeit. Natürlich ist die Laktose, der Milchzucker, in der Muttermilch wichtig für die sofortige Energiezufuhr der Welpen und lebensnotwendig. Ansonsten können Tiere, wie oben schon erwähnt, Zucker auch aus Proteinen gewinnen, somit haben Zucker für erwachsene Hunde und Katzen keinen Nährwert. Bei Zucker denken wir sofort an den süßen Geschmack, im Gegensatz zum Hund kann die Katze nicht süß schmecken!
Als letzte Gruppe unter den Kohlenhydraten zählen die sogenannten Nahrungsfasern, die Zellulose, Pektine und Lignin, die aus großen Molekülen von vielen Glucoseeinheiten mit festeren chemischen Bindungen zwischen sich, als bei der Stärke. Sie haben für die Tiere keinen hohen Nährwert, spielen aber eine wichtige Rolle als unverdauliche Fasern. Als sogenannte Ballaststoffe regulieren sie die mechanische Bewegung ( Peristaltik ) des Darms. Eine ausreichende Zufuhr ist wichtig um das Sättigungsgefühl zu fördern ( gut gegen Fettleibigkeit!) und bei Katzen der Haarballenbildung im Verdauungstrakt vorzubeugen.
Unter den löslichen Fasern ist vor allem Psyllium vor zu heben, ein pflanzlicher Schleimstoff, der auch Flohsamen genannt wird ( Psyllia grich.= Floh) Die Samen sehen tatsächlich wie winzige Flöhe aus! Die Außenhülle des Flohsamens hat eine hohe Wasserbindungskapazität, die eine schleimige Substanz entsstehen läßt und so den Darminhalt schlüpfriger macht und den Darmtransit fördert.
Abschließend soll eine kleine Übersicht die Einteilung der Kohlenhydrate vereinfachen:

Kohlenhydrate
- Stärke
- Zucker
- Fasern
- unlösliche wie z.B. Zellulose
- lösliche z.B. Psyllium
Fette
Insbesondere Hunde, aber auch Katzen haben eine große Vorliebe für fettreiche Nahrung. Ohne entsprechende Bewegung kann ein Überangebot an Fett zu Fettleibigkeit (Adipositas) führen, andererseits brauchen die Tiere Fette als Lieferant für Energie und essenzielle Fettsäuren.
Fette werden im Stoffwechsel mit Hilfe von Sauerstoff verbrannt (oxydiert). 1 g Fett liefert ca. 9 kcal Energie, das 2,5 fache von 1 g Kohlenhydrate oder Proteinen. In Zeiten von hohem Energiebedarf z.B: während der Trächtigkeit oder Laktationszeit (Säugephase) oder aber auch während der Erholungsphase von zehrenden Krankheiten und bei Krebserkrankungen ist ein zusätzliches Verfüttern von Fett also durchaus sinnvoll.
Fette sind eine Familie von organischen Verbindungen. Man unterscheidet einfache Fettsäuren (Triglyzeride) und komplexe Fette, die aus mehreren Komponenten zusammengefasst sind, wie z.B. Phospholipide, aus denen die Zellmembranen bestehen.
Die Fettsäuren wiederum unterscheiden sich durch die Anzahl ihrer Kohlenstoffatome in kurz-, mittel- und langkettige Fettsäuren, durch ihre Bindungen zwischen den Kohlenstoffen in gesättigte und ungesättigte FS. Die ungesättigten Fettsäuren sind instabil und verändern sich durch Einfluß von Sauerstoff, Wärme und Licht, d.h. sie können schnell ranzig werden. Andererseits sind sie lebensnotwendig und in der Nahrung unentbehrlich.
Gesättigte Fettsäuren hingegen werden, weil sie außer als Energiequelle keine weiteren Funktionen haben, auch als „leere Kalorien“ bezeichnet.
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren erfüllen auch strukturelle Aufgaben z.B. in Zellmembranen. Zu ihnen gehören die Omega 6-Fettsäuren, die sich von einer Fettsäure mit 18 Kohlenstoffatomen und zwei chemischen Doppelbindungen ableitet, der Liinolsäure. Von der Linolsäure leiten sich zwei weitere essentielle Fettsäuren ab, die GLA ( Gammalinolensäure ) und die Arachidonsäure.
Linol-und Linolensäure finden sich besonders reichlich in manchen pflanzlichen Ölen, z.B. in Leinöl,aber auch in Geflügelfett, in Rinderfett eher weniger.Noch höher ungesättigte Fettsäuren kommen in Fischleberölen vor. Allgemein gilt die Regel, dass Fette, die viele ungesättigte Fettsäuren enthalten, „ölig“ sind. „Öl“ bezeichnet eine Konsistenz, keine chemische Struktur! Die ungesättigten Fettsäuren sind Muttersubstanz der Prostaglandine.
Prostaglandine sind sogenannte Gewebshormone, die bei Entzündungen und bei der Blutgerinnung eine wichtige Rolle spielen.
Öle sind Verbindungen mit gesättigten (keine chemischen Doppelbindungen zwischen den Kohlenstoffatomen) oder ungesättigten Fettsäuren (eine bis sechs Doppelbindungen). Feste Fette enthalten hauptsächlich gesättigte Fettsäuren, der Schmelzpunkt sinkt  je höher der Anteil der ungesättigten Fettsäuren ist. Bei den Ölen ist er am größten.
Fettsäuren unterscheiden sich auch durch die Anzahl der Kohlenstoffatome.  Man unterscheidet kurz-,  mittel- und langkettige Fettsäuren. Gesättigte Fettsäuren dienen vor allem der Energieversorgung. Zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren zählen auch die Omega 3- und Omega 6 -FS, die essenzielle Funktionen  haben und vom Körper nicht selbst gebildet werden können.
Zu den Fettsäuren zählen auch die Steroide. Aus Steroiden baut der Organismus Gallensäuren, Keimdrüsenhormone, ( Androgene, Östrogene und Gestagene ), Nebennierenrindenhormone ( z.B. Corisol, Aldosteron ) und herzaktive Wirkstoffe ( Digitoxin und Strophantin).  Andere essentielle Fettsäuren haben strukturelle Funktionen in den Körperzellen. Säugetiere sind nicht im Stande, Fettsäuren in Glucose, also in Kohlenhydrate umzubauen, da kein Stoffwechselweg existiert. Auf der anderen Seite fehlt ein Enzym zur Erzeugung von Doppelbindungen, d.h. gesättigte FS können nicht in ungesättigte umgebaut werden, deshalb müssen diese in der Nahrung vorhanden sein.
Die Linolsäure ist eine Vorstufe der Omega 6-Familie und ist Inhaltsstoff in den meisten Pflanzenölen. Linolsäure ist in Borretsch- und Nachtkerzenöl reichlich vorhanden, aber auch anteilsweise in Sonnenblumen-, Weizenkeim-, Maiskeim- und Sojakeimöl. Weitere natürliche Quellen sind auch tierischer Herkunft. So ist vor allem in Geflügelfett (mehr als 20%) und Schweineschmalz  Linolsäure enthalten, wohingegen Rinderfett ( Talg, Butter ) sehr wenig enthält. Omega  6- FS sind wichtig für die Bildung von Prostaglandinen, einem Molekül mit hormoneller Wirkung auf die Gesundheit der Haut, Fellqualität, aber auch auf die Fortpflanzung.
Gamma- Linolensäure entsteht aus Linolsäure. Bei der Katze ist die Umwandlung von Linolsäure zu  Gamma-Linolensäure schwierig, da das zuständige Enzym wenig aktiv ist. Gamma-Linolensäure wird auch in der Kosmetik für geschmeidige, elastische Haut eingesetzt. Bei unseren Haustieren ist sie v.a. angezeigt bei trockener Haut, einer übermäßigen Talgproduktion ( Seborrhoe ) und vor allem bei allergisch reagierenden Tieren. Sie unterstützt die Zellmembrane, die Produktion von Prostaglandinen vom Typ 1, die entzündungshemmende Wirkung haben. Vor allem in Borretsch-, Nachtkerzen- und Johannisbeerkernöl ist GLA in größeren Mengen enthalten.
Die letzte Gruppe sind die Omega 3 Fettsäuren. Diese Gruppe haben alle 18 Kohlenstoffatome und 3 chemische Doppelbindungen. Zu ihnen gehört die Alpha-Linolensäure (ALA), die Eicosapentaensäure (EPA) und dieDocosahexaensäure (DHA). Die Wirkungen im Organismus sind Entzündungshemmung, in dem sie die Bildung entzündungsfördender Transmitter verhindern, Verbesserung der sportlichen Leistung und der Sauerstoffversorgung im Gehirn (gut bei älteren Tieren!).
Natürliche Quellen für ALA sind Lein-, Raps- und Sojaöl. EPA und DHA kommen nur in Fischölen und in Algen vor. EPA und DHA sind nicht nur für ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt, sondern sind auch ein wichtiger Schutz für Herz- und Nierenfunktion.  Auch wird über eine Senkung des Tumorrisikos in der Literatur berichtet. EPA und DHA sind wichtige Bausteine in Netzhaut und Gehirn. Eine zusätzliche Aufnahme während der Trächtigkeit und Laktation fördert die Entwicklung der Foeten bzw. Welpen in ihren kognitiven Leistungen und Sehschärfe. Die Fettsäuren werden auch über die Muttermilch aufgenommen. Gehirne der Beutetiere dienen Wildtieren als natürliche Quelle. Für unsere Haustiere stehen diese wichtigen auch „Hirnsäuren“ genannten Fettsäuren in Fisch (Lachs, Makrele, Heilbutt, Dorsch…) und in Algen zur Verfügung.

Vitamine sind organische Stoffe, die wir und unsere Vierbeiner für lebensnotwendige Funktionen benötigen, die wir nicht selbst herstellen können und somit durch die Nahrung zugeführt werden müssen.
Es gibt sogenannte Provitamine (Vorstufen), die mit der Nahrung aufgenommen werden und vom Körper selbst in seine Wirkform umgewandelt werden. Ein Beispiel ist das Vitamin A: Betacarotin ist die Vorstufe, die der Hund in Vit A umwandeln kann, die Katze aber nicht!

Man unterteilt die Vitamine in
Fettlösliche (lipophile) : Vitamin A, D, E, K und
Wasserlösliche (hydrophile) Vit B und C Vitamine.

Fettlösliche Vitamine werden im Körper gespeichert und können bei Überdosierung auch toxisch (giftig) wirken. Die eventuell überschüssigen wasserlöslichen Vitamine werden hingegen mit dem Urin ausgeschieden.
Vitamine sind sehr empfindlich gegenüber Licht, Wärme und Sauerstoff. Deshalb müssen vitaminisierte Fütterungszusätze immer lichtgeschützt, kühl und gut verschlossen aufbewahrt werden. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums und schon bei längerem Anbruch müssen Sie mit einem erheblichen Verlust des Vitamin-Anteils rechnen!

Jedes Vitamin hat seine eigenen und meistens auch mehrere Funktionen im Körper. In folgender Tabelle sind die Vitamine mit ihrer Funktion als Übersicht aufgelistet.

Fettlösliche Vitamine
Vitamin A  - Sehvermögen, Hauterneuerung
Vitamin D - Calcium- und Phosphatstoffwechsel
Vitamin E - Schutz gegen Zelloxidation
Vitamin K - Blutgerinnung

Wasserlösliche Vitamine
B1 (Thiamin) - Nervensystem
B2 ( Riboflavin) - Haut
B5 (Pantothensäure) - Wachstum, Haut
B6 (Pyridoxin) - Lieferant der Zellenergie
Cholin - Phopholipidsynthese (Zellmembrane)
B12 - (Cyanocobalamin) und Folsäure - Bildung der Blutzellen
Nikotinsäure - Haut, Lieferant der Zellenergie
H (Biotin) -  Haut, Haarkleid
C (Ascorbinsäure) - Antioxidans


von Dr. med. vet. Christiane Klemt
1982-1988 Studium an der FU Berlin, danach Assistenz in Kleintierklinik und Gemischtpraxis. Seit 20 Jahren selbstständig in einer tierärztlichen Praxis für Kleintiere im Sauerland tätig.